Mi 2. Apr 2008, 10:43
Ich bin jetzt doch sehr erschrocken, als ich den Artikel gelesen habe, hauptsächlich an der Stelle:
... nach der Schlusszeremonie dürfen die Einwohner wieder genauso vergast werden wie vorher. ...
Dass so ein Satz in einem Forum gegen Rechtsextremismus auftauchen kann, hätte ich nicht gedacht.
Warum nicht "mit Smog gefährdet", meinetwegen "ihre Gesundheit geschädigt", "eingenebelt", was weiß ich.
nico, habt ihr in der Schülerzeitungsredaktion da keine Reaktionen drauf bekommen?
So eine Formulierung ist einfach unzulässig! Es gibt in China keine Konzentrations- oder Vernichtungslager! Dass das eine einzigartige Erscheinung Deutschlands unter den Nazis war, muss sich unbedingt in unserer Wortwahl niederschlagen. Was bedeutet es, wenn man Umweltverschmutzung als "Vergasung" bezeichnet?
Entweder drückt man damit aus, dass Umweltverschmutzung so schlimm wäre wie industrieller Massenmord unter den Nazis.
Oder man drückt aus, dass dieser Massenmord keiner gewesen ist, da man ihn mit Umweltverschmutzung gleichsetzt (die natürlich Millionen Menschen schädigt, aber eben noch kein Massenmord ist, so schlimm sie auch sein mag).
Beides geht einfach nicht! Die Brisanz von Luftverschmutzung muss angeprangert werden, aber eben mit geeigneteren Worten.
Ich hätte ansonsten noch ein paar Anregungen und möchte was anmerken:
Der zitierte Artikel ist sehr lang, enthält aber wenig Fakten über China, dafür Informationen vom Hörensagen. Gerade bei so Aussagen wie dem blauen Himmel sollte man vorsichtig sein:
(die chinesischen Schülerinnen haben noch nie in ihrem Leben blauen Himmel gesehen)
Hallo? "Die chinesischen SchülerInnen"? Alle? Klar, Beijing hat ein immenses Smog-Problem. Aber das kann man ja wohl auch wahrheitsgemäßer schildern.
Dann wird in den Beiträgen die Bundesregierung gelobt für ihre Abwesenheit bei der Eröffnung.
Ehrlich gesagt, schaut euch mal die Umweltpolitik der Bundesregierung an im Moment. Dass die neuen Abgasgrenzwerte der EU so vehement abgelehnt werden, um die Profite von Benz, Porsche und Co. zu sichern, zeigt ja wohl sehr deutlich, welche Interessen hier vertreten werden.
Außerdem: wie viele deutsche Großkonzerne profitieren von Billiglöhnen in China und Fernost?
Bei den Kampagnen und der Mediendebatte um Menschenrechte in China geht es von Seiten des BRD-Establishments hauptsächlich darum, Chinas wachsenden Einfluss auf der Welt (v.a. wirtschaftlich) zu schwächen.
Denn Menschenrechte werden in Europa und der BRD ebenfalls mit Füßen getreten, wie man z.B. am Schicksal der Flüchtlinge an den EU-Grenzen sieht.
Dazu
http://fortresseurope.blogspot.com/2006/02/immigranten-die-europischen-grenzen_15.htmlIch finde, die Sportler tun gut daran, wenn sie sich eben nicht für solche Machtspiele zur Verfügung stellen. Ich glaube auch nicht, dass den Besuchern der Olympischen Spiele und den Sportlern die Situation in China egal ist. Das sieht man ja jetzt auch in der Debatte.
Weil darin auch die Situation in Tibet ständig aufgegriffen wird, hier noch drei Links, die zeigen, dass man hier auch mal die Position der Exiltibeter ein bisschen kritischer beleuchten sollte:
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/1997/erste6852.htmlhttp://www.agpf.de/Dalai-Lama.htmhttp://www.humanistische-aktion.homepage.t-online.de/wahn.htm