spasti (kathrin;-) hat geschrieben:ben deine reaktion auf das wort "vergasen" find ich übertrieben!
Welchen Teil meiner Begründung findest du übertrieben?
spasti (kathrin;-) hat geschrieben: dürfen wir jetzt gewisse wörter nicht mehr benutzn, weil sie damals von nazis missbraucht wurden, oder wie?!
Es gibt einen Unterschied zwischen
1. Wörtern, die von den Nazis missbraucht wurden
2. Wörtern, die von den Nazis bewusst neu eingeführt wurden.
Zu 1. gehören zum Beispiel: "Sozialismus", "Volk", "Vaterland", "Gemeinschaft", "deutsch" und so weiter. Auch hier denke ich: Man muss aufpassen, in welchen Zusammenhängen solche Wörter heute verwendet werden. Ich verkneif mir z.B. oft, von "Volk" zu sprechen, weil wegen der Geschichte und des Missbrauchs dieses Wortes eben die allermeisten meiner Mitmenschen die Nichtdeutschen eben nicht zum "Volk" rechnen. Ich nehm es also nur dann her, wenn ich mir sicher sein kann, dass es auch richtig verstanden wird.
Zu 2. gehören: "vergasen", "abartig", "Tschechei", "entartet", "Endlösung" und noch ein paar andere Worte. Diese Wörter sind Neuschöpfungen, es gab sie AFAIK vor 1933 noch nicht. Die Nazis haben sie erfunden, um menschenfeindliche, kriminelle Haltungen und Handlungen zu beschreiben. Deswegen werden diese Wörter ihre kriminelle und menschenfeindliche Bedeutung in keinem, egal wie gut gemeinten, Kontext verlieren. Überall dort, wo sie zur Beschreibung "harmloserer" Ereignisse als der Nazi-Verbrechen benutzt werden, relativieren sie letztendlich den Faschismus. Auch wenn eine Autorin/Autor das nicht gewollt hat, hat es doch diese Wirkung.
Ich verstehe nicht, was daran schwer zu verstehen ist. Es ist ja kein Angriff auf die jeweiligen Autoren, nur die Aufforderung zu einer passenderen Wortwahl.